Heinrich Schwiering (1860 - 1949)

Nicht aus Lippe-Detmold, sondern aus dem anderen lippischen Fürstentum, Schaumburg-Lippe, kam Heinrich Schwiering , Hofmaler in Bückeburg. Schwiering erhob nie den Anspruch, ein großer Maler zu sein, doch er war ein vorzüglicher Könner seines Handwerks und - insbesondere in seinen späteren Jahren, in die auch seine Schwalenberger Zeit fällt - ein guter Landschaftsmaler.

In Bückeburg am 23. August 1860 geboren und dort aufgewachsen, zog es Schwiering mit 19 Jahren nach Düsseldorf, wo er von 1880 bis 1887 an der Kunstakademie Portrait- und Landschaftsmalerei studierte (insbesondere unter Professor Wilhelm Sohn). Bei dem damals namhaften Genre- und Historienmaler Peter Janssen vervollkommnete er sein Können in eine Richtung, die für seine anschließende Tätigkeit am Bückeburger Hof besonders wichtig wurde: Viele Jahre seines Lebens beschäftigte sich Schwiering mit der Kopie großer Gemälde für das Bückeburger Residenzschloß und Schloß Arensburg. Natürlich gehörte es auch zu seinen Aufgaben als Hofmaler, die Mitglieder der Fürstenfamilie immer wieder zu portraitieren. Unterstützt von seinem Schulfreund und Gönner Dr. August Oetker in Bielefeld unternahm Schwiering Studienreisen nach Italien und in die Niederlande, um die alten Meister, deren Werke er kopierte, in ihren landschaftlichen Ursprüngen kennenzulernen. Schwiering zog die holländischen Meister (insbesondere Rembrandt, dessen Werke er in Amsterdam kopieren durfte) den italienischen vor; das grelle Licht unter dem wolkenlosen italienischen Himmel erschien ihm zu hart.

Nach Abdankung des schaumburg-lippischen Fürstenhauses 1918 und generell schlechter Auftragslage für Portraitmalerei in den schwierigen Nachkriegsjahren, wandte sich Schwiering nun verstärkt der Landschaftsmalerei zu. Im Jahre 1924, also bereits 64-jährig, kam er erstmalig nach Schwalenberg. Hier lernte er weitere Landschaftsmaler kennen, wie z.B. Kämmerer, Baule und vor allem Hans Licht, wodurch Schwierings Landschaftsmalerei neue Impulse erhielt. Schwiering freundete sich auch mit Niederbracht an, verkehrte regelmäßig in der Klause. Seine Bilder hingen dort oft zum Verkauf ausgestellt, sie waren "sehr ansprechend und verkauften sich gut".

Eines Tages lud Schwiering den Gastwirt zu sich nach Bückeburg ein. Hermann I. fuhr mit seinem Sohn gemeinsam dorthin, doch offenbar hatte es hinsichtlich des Termins ein Mißverständnis gegeben, und der Künstler war nicht zugegen. Schwierings Frau kannte die beiden Niederbrachts jedoch ebenfalls gut und zeigte ihnen die Studien ihres Mannes. Großzügig gestattete sie Niederbracht, die eine oder andere Studie mitzunehmen. Sogar aus der großen Truhe, in der Schwiering seine "ganz und gar unverkäuflichen Schätzchen" für seinen Nachlaß aufzubewahren pflegte, durfte sich Niederbracht bedienen. Als Schwiering einige Zeit später mal wieder nach Schwalenberg kam, gutgelaunt in die Künstlerklause trat und die Studien dort gerahmt an der Wand hängen sah, wurde er "fuchsteufelswild". Doch letztendlich blieben auch diese Bilder größtenteils in der Klause, zählten fortan zu den Glanzstücken der Sammlung. Schwiering verzieh seinen Wirtsleuten und seiner Frau die Eigenmächtigkeit und kam bis zum 2. Weltkrieg regelmäßig in die Künstlerklause.

Heinrich Schwiering: Blick vom Burgberg zum Forsthaus, Öl, 1935 (Privatbesitz)

Eintragungen in den Gästebüchern:

Juli 1928 - Band 1 S.93
Band 1 S.99
Band 2 S.114
Band 2 S.119